Ostküste 2018

Bananen-Schwund

Schwarz-weißer Vari, Madagaskar
Schwarz-weißer Vari, Madagaskar

Bis zum Morgen hat sich meine Tüte mit den Guaven, die auf der Terrasse lag, auf wundersame Weise geleert. Wie genau diese wundersame Leerung von statten ging, kann ich nach dem Aufstehen bei offener Bungalowtür live und in Farbe bewundern. Eine Vari-Mama hat sich mit ihrem halbjährigen Nachwuchs eingefunden und schielt sehnsüchtig auf die Banane, die noch an meiner Garderobe hängt. Ich spendiere vorsichtig ein paar Rambutan, wobei das junge Varimädchen noch ziemlich grob dabei ist, sie mir aus der Hand zu nehmen.

Das Frühstück gibt es auch heute draußen auf der Holzterrasse, im Restaurant selbst werkeln bereits einige Mitarbeiter. Der Tisch ist hübsch gedeckt und jeder bekommt zu den selbst gebackenen Brötchen noch einen ganzen Teller Obst: Maracujas, saftig-süße Ananas, Melone und reife Bananen. Natürlich nicht unbeobachtet. Denn etliche Maki-Hybriden und ein brauner Maki springen bereits in den Bäumen um das Restaurant herum – offenbar in der Hoffnung, die eine oder andere Banane vom Tisch zu mopsen. Einer schafft es tatsächlich, obwohl zwei Jungs mit Stöcken bewaffnet über das Frühstück wachen und den Lemuren damit drohen, sobald ihre neugierigen Nasen dem Tisch zu nahe kommen. Beim Abräumen des Tisches nach dem Frühstück wittern die Lemuren ihre große Chance. Die kleinen Diebe stehlen sogar leere Bananenschalen von den Tellern.

Indri
Indri in Akanin’ny Nofy

Als ich das Bungalow aufschließe und hineingehe, scheinen einige Klamotten nicht mehr an Ort und Stelle zu liegen. Ich wundere mich kurz, dann höre ich ein Geräusch. Und schaue plötzlich in das verdutzte Gesicht eines roten Makihybriden, der auf der Stange der Garderobe an der Wand sitzt. In der Hand hat er noch eine Bananenschale. Die Staude jedoch, die an der Garderobe hing, ist weg. Oder nein, ein paar klägliche Schalenreste liegen noch auf dem Boden. Und offenbar hat der kleine Lemur die ganze Staude alleine verputzt. Sein dicker Bauch spricht jedenfalls Bände. Direkt unter dem Dach entdecke ich zwei weitere Übeltäter, die ich mit einem Besen durch eine Lücke direkt unter dem Dachfirst nach draußen verscheuche. Nur der kleine, dicke, rote Lemur bleibt verdattert sitzen. Mit einem letzten Rest Banane kann ich ihn nach draußen locken.

Mit Olivier geht es am Vormittag gemütlich in den Regenwald. Direkt am Restaurant sitzt bereits ein junges Indri-Männchen. Im Wald entdecken wir zwei weitere Indris. Die sanften, großen Lemuren mit den Samthänden schauen uns mit ihren tiefgrünen Augen ruhig an. Die Ruhe des Moments dauert nur kurz. Die Makihybriden haben uns entdeckt und springen aufgeregt zwischen den Indris umher.

Makihybrid
Manchmal sind die Hybriden schneller als der Fotograf

Schließlich laufen wir weiter. Tiefer im Wald entdecken wir noch zwei andere Indris, die wir diesmal – völlig ungestört von den Makis – bewundern können. Mit samtweichen Fingern nimmt eines der jungen Männchen mir ein Stück Banane aus der Hand, um es sich dann verstohlen in den Mund zu stecken. Laut schmatzend springt er dann zu seinem Bruder auf einen anderen Baum. Irgendwann müssen wir uns von den Indris wieder losreißen. Als Olivier an einem dicken Baumstamm mit einem Astloch etwa auf Schulterhöhe vorbeigeht, ertönt ein lauter, quäkender Ton. Was war das denn? Olivier grinst und zeigt uns, wer den Ton verursacht: Ein kleiner, dunkler

Frosch sitzt in einem Astloch und bewacht seine Kaulquappen. Taucht eine Bewegung über dem Fröschlein auf, quäkt er laut protestierend auf. José nimmt das Geräusch direkt auf – vielleicht taugt das ja für einen Handy-Klingelton?

Schwarz-weißer Vari, Madagaskar

Wir laufen weiter durch den Wald und entdecken an einem sehr feuchten Hang ein Pärchen Rotbauchmakis. Das Männchen mit seinen weißen Flecken um die Augen ist überaus fotogen, das Weibchen steht ihm jedoch in nichts nach. Das Licht ist allerdings ziemlich schwierig hier im Wald. Überall scheinen Lichtflecken durch das Blätterdach des Regenwaldes, aber es gibt so viel Schatten, dass man ohne Blitz nur schwer ein günstiges Foto bekommt.

Als ich wieder zurück am Bungalow bin, ist mein Körbchen mit den Rambutan fast leer. Dafür liegt Lemurenkot auf dem Boden neben dem halb leeren Korb. Offenbar haben die frechen Lemurenärmchen nicht ganz bis zum Boden des hohen, schmalen Korbes gereicht, denn ganz am Boden ist noch ein Rest Obst drin.

Zum Mittagessen gibt es Garnelen, die die Fischer aus dem benachbarten kleinen Dorf heute Morgen frisch aus dem Meer geholt haben. Dazu gibt es köstliche Grilltomaten und – eher untypisch für Madagaskar – Pellkartoffeln. Als Nachtisch wird eine Ananas-Bananen-Creme gereicht, die eigentlich eine Mousse sein soll. Himmlisch. Alles übrigens. Die Ruhe hier, die Tiere, die Fotografie, das Essen. Einfach himmlisch.

Palmarium
Unten am Strand, direkt am See

Am Nachmittag ist mal Chillout angesagt und scheinbar haben wir das alle auch wirklich mal nötig. Ich schaukele im leichten Wind in der Hängematte vor der Bungalow-Tür vor mich hin. Ab und zu kommt ein Maki vorbei, mehr passiert nicht. Kann auch mal schön sein. Später wird das Chillen im halbfertigen Restaurant mit einigen der Palmarium-Jungs fortgesetzt in diversen Varianten.

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Veröffentlicht von Alex

Alex ist 31 Jahre alt, wohnt in der Nähe von Mainz und ist im echten Leben fernab des Urlaubs Tierarzt mit Faible für Reptilien. Sie fotografiert und reist gerne, und so entstand auch dieser Blog. Nebenbei hält sie selbst Chamäleons zu Hause, schreibt an wissenschaftlichen Veröffentlichungen, betreibt ein kostenloses OnlineMagazin und erstellt Malbücher für madagassische Kinder.