Norden 2016

Ziegen auf Taxibrousse-Dächern

Furcifer pardalis
Pantherchamäleon nahe Ambanja

Ich habe hervorragend geschlafen. Die Klimaanlage hat die ganze Nacht gehalten, es gab nicht einen Stromausfall. Das war mal richtig erholsam. In einem kleinen Restaurant nur ein paar hundert Meter die Straße hoch gehen wir frühstücken. In einer Palme direkt auf dem Parkplatz entdecke ich ein Furcifer oustaleti. Es ist ein Weibchen mit tollen roten Linien am Kopf. Ein paar Phelsumen tummeln sich in den anderen Palmen, sie haben hier richtig tolle, leuchtende Farben. Ein beigefarbener Renault 4, ein Taxi, fährt vorbei – die Vorderachse steht total schief, die Reifen neigen sich oben dem Auto zu und unten davon weg. Trotzdem fährt es. Nebenan wird gerade ein liegengebliebenes Taxibrousse von Hand geschoben.

Die Jungs löffeln ihre Reissuppen aus und fahren dann schnell zum Tanken. Die Reissuppe habe ich übrigens schon mehrfach probiert, aber so richtig finde ich daran keinen Gefallen. Es ist halt Reis in Wasser, meistens gibt es dazu noch Brochettes, Zebuspieße. Dann machen wir uns auf in Richtung Ambanja. Unterwegs entdecken wir viele kites, die madagassischen Milane. Überall sitzen sie entlang der Straßen oder kreisen in luftigen Höhen.

An einer Tanke halten wir an, um ein paar Getränke für die Fahrt zu kaufen. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite wird schon wieder ein Taxibrousse von Hand geschoben, darin mindestens zwanzig Leute und zig Reissäcke auf dem Dach. Es scheint heute Tag der liegengebliebenen Taxibrousse zu sein. Und die, die nicht schon mit einer Panne anhalten mussten, scheinen alles dafür zu tun, sich noch einen Reifen kaputt fahren zu wollen: Mit halsbrecherischem Tempo rasen die Taxibrousse an uns vorbei, bedrohlich hoch mit Bananenstauden, Autoreifen und allem Erdenklichen anderen beladen.

Weg nach Ambanja
Irgendwo vor Ankaramibe

Die Fahrt führt durch kahle Savannen und ganze Wäldchen voller Mangobäume und Ravenalas, den Bäumen der Reisenden. Rund um uns herum wird es immer grüner, die Vegetation wird langsam dichter. Rote Felsen erinnern daran, warum Madagaskar die „rote Insel“ genannt wird. Wir passieren mehrere Flüsse und erreichen schließlich am frühen Nachmittag Ankaramibe, eine kleine Stadt inmitten grüner Hügel. Hier beginnt das Reich der Pantherchamäleons. Wir biegen in eine Seitenstraße ein und rumpeln auf einem Schotterweg entlang. Dann parkt Dimby unter einem Mangobaum, und die anderen reihen sich daneben ein. Zeit, nach Chamäleons zu suchen! Weibchen finden sich relativ schnell einige, doch nur ein junges Männchen lässt sich sehen. Es zeigt schon die schmutzig rote bis rosafarbene Färbung, die typisch für diese Lokalform ist. Dann huscht eine schöne, gestreifte Schlange über den Schotter. Die Kinder, die längst aus den umliegenden Hütten gekommen sind und uns beobachten, weichen zurück, als ich das hübsche Tier mitten auf dem Weg fotografiere. Das ist ihnen dann doch nicht so ganz geheuer.

Furcifer pardalis

Unsere Reise geht weiter bis zu einem Bambuswäldchen kurz vor Djangoa. Stefan und Stefanie wollen hier nach Phelsuma klemmeri Ausschau halten. Eine ganze Weile suchen wir in der Hitze entlang der Straße, dann entdeckt Stefan tatsächlich einen der hübschen, blau-gelben kleinen Geckos – allerdings nicht auf Bambus. Auch wenn die Tiere Bambusgeckos genannt werden, findet man sie viel häufiger auf Bäumen mit relativ glatter Rinde. Der junge, sprießende, grüne Bambus ist wahrscheinlich zu haarig. Auf der Straße schiebt derweil ein Mann im karierten Hemd sein Fahrrad den Hügel nach oben. An den Lenker hat er unzählige kleine, silberne Fische gebunden. Ein weißes Taxibrousse quält sich langsam den Berg hoch. Der Auspuff raucht so schwarz, dass ich Bedenken habe, dass der Bus es überhaupt noch besonders weit irgendwohin schafft. Er hinterlässt eine dunkle Dreckwolke auf der Straße. Wir fahren lieber weiter. Es ist schon wieder wahnsinnig heiß, obwohl auch heute die Sonne sich nicht blicken lässt. Ich schwitze aus allen Poren.

Kurz vor Ambanja entdecke ich ein riesiges, knallblaues Pantherchamäleon-Weibchen in einem Baum. Dimby hält an. Er und José versuchen, das Tier vorsichtig vom Baum zu angeln – aber das riesige Männchen ist längst zu weit oben, und trotz einer mutigen Klettereinlage von José bleibt es im Baum versteckt. Das macht aber nichts, denn nur wenige Meter davon entfernt finden sich noch zwei weitere, etwas kleinere, aber nicht minder farbgewaltige Männchen im Gebüsch. Die Farben der Pantherchamäleons hier rund um Ambanja sind wirklich toll.

Als das gefühlt hundertste Taxibrousse an uns vorbeirauscht, deutet Dimby belustigt auf das Dach: Dort sind Ziegen festgebunden. Kein Witz. Lebende Ziegen, vier oder fünf Stück. Immerhin müssen sie sich den luftigen Ausguck nicht noch mit anderem Gepäck teilen. Wir fahren direkt durch Ambanja. Der Hügel direkt vor der Stadt kommt mir noch bekannt vor. Wir überqueren den Sambirano, einen großen, breiten Fluss. Die Stadt hat sich seit 2013 kaum verändert. Sie ist immernoch genau so, wie ich sie in Erinnerung habe: Überfüllt von Menschen, bunt, vollgestopft von Taxibrousse und Cyclopousse, schmutzig und vor allem laut. Wir schlängeln uns entlang der Hauptstraße an Markständen vorbei und erreichen schließlich die Abzweigung nach Ankify. Durch Reisfelder und Kakaoplantagen führt die Straße in Richtung des kleinen Küstendorfes. Kurz vor Ankify liegt ein breiter Mangrovengürtel. Es ist Ebbe, und so liegen die Mangroven gerade trocken, nur kleine Pfützen stehen zwischen den Bäumchen.

Auf einem staubigen Schotterweg biegen wir schließlich ins steinerne Eingangstor des Hotels Baobab ein. Zur Begrüßung reicht uns ein Hotelangestellter schon auf dem Parkplatz eine Kokosnuss mit Strohhalm darin. Ich trinke langsam das Kokoswasser, und schlendere dann zum Strand runter. Tanala und ich haben Bungalow Nr. 1, es liegt unten am Strand und unter dem Restaurant. Auf dem heiligen Baobab, der nur einige Meter neben dem Bungalow steht, sitzt ein Madagaskarfalke. Ich setze mich vor’s Bungalow, trinke ein THB und genieße den Rest des Tages.

Am Abend weht ein leichter Wind, der die Hitze des Tages vertreibt. Ich liege gemütlich im riesigen Bett, und döse vor mich hin. Draußen rauschen die Wellen gegen den Strand. Die Flut kommt wieder.

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Veröffentlicht von Alex

Alex ist 30 Jahre alt, wohnt aktuell in Bayern und ist im echten Leben fernab des Urlaubs Tierarzt mit Faible für Reptilien. Sie fotografiert und reist gerne, und so entstand auch dieser Blog. Nebenbei hält sie selbst Chamäleons zu Hause, schreibt an wissenschaftlichen Veröffentlichungen, betreibt ein kostenloses OnlineMagazin und erstellt Malbücher für madagassische Kinder.