Süden 2015

Das seltenste Chamäleon der Welt

Chalarodon madagascariensis
Chalarodon madagascariensis

Ich habe sehr gut geschlafen. Um fünf Uhr bin ich wach geworden, weil die Myrnas draußen irgendwas auf’s Dach haben fallen lassen. Um Viertel nach Sechs holt Vonjy uns schon ab. Tanala, Dimby und ich wollen uns das Reservat Reniala anschauen. Sollte es Mist sein, schaut der Rest der Gruppe sich heute lieber das Schildkrötendorf an. Anderenfalls kommen sie einfach später nach. Der Bus fährt uns bis zur Straße, an der das Reservat liegt. Die letzten zweihundert Meter laufen wir zu Fuß – im roten Sand. Das ist anstrengender, als es aussieht, da der Sand weich ist und man bei jedem Schritt einen halben zurückrutscht und ein wenig einsinkt. Es ist schon jetzt sehr warm, der Schweiß trieft. Wir kommen zu mehreren kleinen Gebäuden, Vonjy meldet uns an und wir gehen direkt los.

Das Reservat besteht aus einem unerwartet intakten Dornwald. Viele beeindruckende Baobabs stehen zwischen allerlei stacheligen Gewächsen. Ein sandiger, mit weißen Steinen markierter Weg führt auf einem Rundweg durch den Wald. Ein besonders großer Baobab hat die Form eines Teekännchens und trägt deshalb den Spitznamen tea pot. Sogar eine Baobab-Blüte finde ich im Vorbeigehen, ein kleines Wunderwerk der Natur. Aber der Höhepunkt des Tages kommt erst noch: Vonjy hat tatsächlich Furcifer belalandaensis ausfindig gemacht, ein Männchen und zwei Weibchen. Tatsächlich sieht die Art sehr unspektakulär aus, simpel grün und die Weibchen mit ein wenig Lila. Aber allein das Wissen, dass diese Tiere extrem selten sind und seit Jahren nicht gefunden wurden, macht die kurze Zeit bei diesen wundersamen Tieren zu etwas ganz Besonderem.

Furcifer belalandaensis
Furcifer belalandaensis

Den Rest des Rundweges rennen wir ziemlich, da wir ja nur zum „kurz mal gucken“ da sind. Nur anderthalb Stunden sind Tanala, Dimby und ich insgesamt im Wald. Schildkröten, auf die ich eigentlich gehofft hatte, haben wir nicht gesehen, und außer einigen Furcifer antimena gab es so früh am Morgen überhaupt sehr wenig zu sehen. Der Dornwald ist trotzdem sehr beeindruckend. Um acht Uhr hat es schon 30 Grad im Schatten. Die übrige Gruppe kommt anderthalb Stunden später als geplant an, und verbringt dann geschlagene sechs Stunden im Reservat. Diese Zeit verbringen Dimby, Tanala und ich also wartend – oder eher brütend bei der Hitze – am Empfangshäuschen des Reservats. Besonders spannend ist das nicht, auch wenn überall Phelsuma standinigi und Chalarodon-Babys herumlaufen. Am Ende haben wir leider nur einen Bruchteil der Tiere entdeckt, die es später zu sehen gegeben hätte. Aber gut, man lernt für’s nächste Mal.

Erst gegen 16 Uhr am Nachmittag treten wir den Rückweg an. In der Sonne hat es inzwischen 44° Celsius. Der Sandweg ist jetzt ganz gut festgefahren durch eine Menge Zebu-Charettes, und läuft sich daher wesentlich besser als am Morgen. Die Sonne strahlt vom wolkenlosen Himmel. Wir verabschieden uns von Vonjy und bedanken uns für die großartige Hilfe.

Von der Terrasse der Bar aus beobachte ich am Abend den Sonnenuntergang. Nach dem Abendessen – es gibt schlicht Nudeln – machen Tanala und ich ein paar Aufnahmen vom Sternenhimmel über Ifaty. Ein paar Einsiedlerkrebse laufen am Strand herum, und buddeln neue Löcher. Ein paar Fischer kommen gerade vom Meer zurück, ein paar wenige Lichter hüpfen auf dem Meer weit entfernt auf und ab. Als wir schlafen gehen, sehen wir Mausmakis in den Bäumen über den Bungalows. Und einen Flughund, der aber noch müde zu sein scheint. Die Mausmakis sind extrem flink und huschen von Ast zu Ast, während die Augen im Schein der Stirnlampen aufleuchten. Und nicht nur zwei oder drei sind unterwegs, sondern wirklich viele. Wie ich später feststelle, hat es einen Grund, warum man die Mausmakis von unserem Bungalow aus so hervorragend beobachten kann: Unter unserem Dach befindet sich offenbar ein Mausmaki-Bordell, und das Gequietsche und Gerappel dauert die ganze Nacht an.

Sternenhimmel
Sternenhimmel

 

Veröffentlicht von Alex

Alex ist 33 Jahre alt, wohnt in der Nähe von Mainz und ist im echten Leben fernab des Urlaubs Tierarzt mit Faible für Reptilien. Sie fotografiert und reist gerne, und so entstand auch dieser Blog. Nebenbei hält sie selbst Chamäleons zu Hause, schreibt an wissenschaftlichen Veröffentlichungen, betreibt ein kostenloses OnlineMagazin und erstellt Malbücher für madagassische Kinder.

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