Ostküste 2016

Die Rollergang auf St. Marie

Die älteste katholische Kirche Madagaskars auf St. Marie

Heute geht es mir wieder besser, die Kopfschmerzen sind verschwunden und auch die Nase ist wieder frei. Ich laufe barfuß zum Frühstück. Ein Stück Baguette mit Honig reicht auch heute. Am Strand warten schon die Pirogen auf uns. Geplant ist für heute ein kleiner Ausflug auf Nosy Boraha oder französisch St. Marie. Meine Piroge ist grün und gelb gestrichen, die „Nachbarpiroge“ ist weiß und hat jede Menge bunte Punkte darauf. Wem das Design wohl eingefallen ist? Unser Pirogenmann nimmt seinen langen Stock und stößt uns vom Strand ab.

Die Pirogen bewegen sich langsam durch die Bucht auf St. Marie zu. Das Meer hat kaum Wellengang, die Sonne scheint und es ist angenehm warm. Ein paar Wolken ziehen auf. Langsam staken die Pirogenmänner die Holzboote an das Ufer von St. Marie. Wir steigen aus und setzen uns erstmal in den Sand, denn nun ist Warten angesagt. Eine Art Taxibrousse steht gegenüber, ein weißer Bus mit platten Reifen. Er fährt trotz der platten Reifen los, immerhin ohne viele Gäste.

Es ist Ostersonntag. Das merkt man auf St. Marie vor allem daran, dass gerade am oberen Ende der Insel ein großes Kreuzfahrtschiff angelegt hab, die MS Hamburg oder so. An die 400 Leute sollen jetzt auf der Insel unterwegs sein, die wahrscheinlich nicht mal halb so viele Hotelbetten hat. Deshalb gibt es heute leider keine Tuk-Tuks mehr für uns, die hat das Schiff quasi komplett eingenommen. Aber wir können noch Roller mieten. Führerschein, Ausweise oder ähnliches möchte dafür niemand. sehen Versicherungen gibt es hier wahrscheinlich nicht mal.

St. Marie
Die Rollergang auf einem Foto zusammengefasst

Irgendwann nach elf trudeln tatsächlich neun Roller ein. Und zwar ganz unterschiedliche, die anscheinend eigentlich alle Privatleuten gehören. Jeder bekommt Helm und Roller vom jeweiligen Fahrer, und eine kurze Einweisung, wie das Teil funktioniert. Ines bekommt einen wunderschön roten Marienkäfer-Helm, Markus erwischt einen gold-glänzenden Checker-Helm mit Schirm vorne dran. Ich habe das Modell „blauer Eimer“ ergattert und Chrissi trägt eine schwarze Suppenschüssel. Die Roller selbst sind auch alle schon etwas ältere Modelle, oder reichlich gebraucht zumindest. Aber fahrbar sind sie – wobei zwei Gäste es schon beim Start überfordert sind. Der eine gibt sofort Vollgas, was dazu führt, dass der Roller kurz nur auf dem Hinterreifen steht, und dann unter ihm weg verschwindet, und der zweite kracht auf dem sandigen Boden gleich in einen kleinen Stand. Zum Glück gibt’s keine Verletzten. Wie man als Erwachsener Ü40 das mit dem „langsam ausprobieren“ nicht verstehen kann, ist mir allerdings ein Rätsel. Bei Thorstens Roller schlackert derweil der Lenker etwas und irgendwelche Plastikteile sind mit Superkleber angepappt. Bei mir funktioniert die Tankanzeige nicht, dafür die Hupe, und der Roller klappert ein bisschen. Aber das wird schon gehen.

Es geht allerdings keinen Kilometer. Der erste Roller, der aufgibt, ist Martins. Das bekommt allerdings zunächst keiner mit, weil er ganz hinten gefahren ist. Nach rund zwei Kilometern stoppt Thorstens Roller unfreiwillig, der Tank ist leer. Er schiebt den Roller weiter. Markus ist derweil umgedreht und sucht nach Martin, der irgendwie verschwunden scheint. Wenig später kommen die beiden zurück, und Martin fährt jetzt eine kleine 125er-Maschine. Die hat er  am Flughafen gegen seinen benzinlosen Roller getauscht. Hinter ihm kommt außerdem ein junger Mann gefahren, der anscheinend der „Hauptvermieter“ der Fahrzeuge ist. Er gondelt mit seiner Maschine neben uns und dem Roller schiebenden Tanala her, bis einige Hütten auftauchen. Dort meint er, wir sollen kurz warten, und verschwindet in eine der Hütten. Wenige Minuten später taucht er wieder auf, und bringt einen gelben Kanister mit. Mit einer Wasserflasche wird nun bei allen Rollern Benzin nachgefüllt. 4000 Ariary pro Liter kostet der kleine Tankspaß.

St. Marie
Tanken auf Madagassisch

Dann endlich kann es weitergehen. Langsam tuckern wir über die Insel. Als es anfängt zu nieseln, machen wir einen Zwischenstopp im Hotel Libertalia und trinken eine Cola. Der erste Eindruck vom Hotel ist recht gut, es ist sauber und gepflegt, vielleicht ein Hauch zu viel Touri-Charme. Die Stege im türkisblauen Meer sehen toll aus. Allerdings hält das Hotel auch in einem wirklich winzigen Gehege mitten im Restaurant mehrere Strahlenschildkröten, und in einem noch winzigeren Käfig sind zwei schwarze Vasa-Papageien eingepfercht. Das ist beides eigentlich verboten, stört aber offenbar keinen. Als wir das Hotel wieder verlassen, finden wir direkt vor dem Ausgang noch ein Pantherchamäleon auf einem Baum. Es ist fast weiß, oder eher ein bisschen gräulich mangels Sonne.

Wir tuckern langsam weiter bis nach Ambodifotratra. Da Sonntag ist, haben leider die meisten Geschäfte geschlossen, nur zwei kleinere Souvenirläden am Ende der Stadt haben noch geöffnet. Tanala will aus irgendeinem Grund nicht weiterfahren, er meint, dass würde zeitlich eher nichts. Also gondeln wir gemütlich den Weg wieder zurück, schauen hier und da nach Pantherchamäleons und kehren schließlich bei Chez Ludo ein, einer kleinen Hütte mit Sitzplätzen und kalten Getränken. Direkt nebenan findet sich noch eines der erhofften Furcifer pardalis.

Irgendwo in einer Hibiskushecke finden wir sogar noch ein paar Frösche und Taggeckos. Der Himmel zieht sich zu und es nieselt, und so haben wir leider im offenen Gelände auf dem Weg zum Flughafen kein Glück mehr bei der Chamäleonsuche. Nur zwei Hundewelpen laufen aufgeregt am Straßenrand umher, und sobald man sie streichelt, folgen sie einem. Ich befürchte, dass beide nicht lange an der Straße überleben werden, wenn sie weiter so unbeaufsichtigt herumlaufen. Die wenigen Autos und Roller, die hier vorbeidüsen, sind nicht gerade langsam unterwegs. Eine besonders hübsche Wellblechbude mit rostigem Dach, die aussieht, als würde sie bald zusammen fallen, ist mit dem Schild „Air Madagascar“ dekoriert. Wenn das deren Büro ist, braucht man sich ja über den Zustand der Flieger nicht zu wundern.

Nosy Nato

Am späten Nachmittag sind wir zurück am Ufer Richtung Nosy Nato. Die Rollerbesitzer warten schon auf uns, vermutlich haben sie hier den ganzen Tag herum gesessen. Und sie freuen sich sehr über den noch halbvollen Tank. Sehr viel haben wir ja nicht verbraucht. Auch die anderen beiden kommen noch nach. Unsere Pirogiere (oder wie nennt man die Männer?) warten schon, und wir können direkt einsteigen. Die Lagune hat kaum mehr Wellengang als morgens, und langsam werden wir wieder nach Nosy Nato gefahren. Von Weitem sehe ich irgendwas in den Bäumen herumspringen. Ich erfahre, dass das Le Lémurien nicht nur so heißt, sondern sich auch drei schwarz-weiße Varis angeschafft hat. Illegal natürlich, denn Lemurenhaltung ist auf ganz Madagaskar verboten, wenn man nicht gerade ein Reservat sein eigen nennt. Leider sind die Tiere jetzt auf einer Insel, die keineswegs als natürlicher Lebensraum der Lemuren taugt. Es handelt sich da wohl eher um pet lemurs, deren Haltung man keinesfalls mit Hotelbuchungen oder -besuchen unterstützen sollte. Hätte ich das mal am Freitag gewusst…

St. Marie
Am Ufer, wo die vielen Pirogen nach Nosy Nato ablegen

Am Abend gibt es tagesfrisch gefangene Camarons aus der Küche. Dadazo, der eigentlich nicht mehr im Meva arbeitet, ist extra für Tanala vorbeigekommen. Und er kann richtig gut kochen, wie er uns mit den Garnelen beweist. Er tischt riesige Garnelen auf, hervorragend gegrillt und gewürzt. Nach dem leckeren Abendessen verschlägt es mich recht schnell ins Bett. Meine Nase geht wieder zu.

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Veröffentlicht von Alex

Alex ist 30 Jahre alt, wohnt aktuell in Bayern und ist im echten Leben fernab des Urlaubs Tierarzt mit Faible für Reptilien. Sie fotografiert und reist gerne, und so entstand auch dieser Blog. Nebenbei hält sie selbst Chamäleons zu Hause, schreibt an wissenschaftlichen Veröffentlichungen, betreibt ein kostenloses OnlineMagazin und erstellt Malbücher für madagassische Kinder.