Ein guter Tag für Chamäleons

Das berühmte Zebu-Sandwich

Das berühmte Zebu-Sandwich

Viel zu spät erscheine ich zum Frühstück. Ich war um halb sechs heute morgen schon einmal auf, in der Hoffnung auf Nebel für tolle Regenwaldfotos. Leider war wieder kein Nebel da, also bin ich nochmal ins Bett gegangen, und prompt tief und fest eingeschlafen. Bei dem brettharten Bett ist das schon eine gewisse Kunst. Erst um halb acht finde ich mehr oder minder freiwillig aus dem Tiefschlaf, ziehe mich an und gehe nach kurzer Katzenwäsche ohne großen Umweg direkt zur Restaurantterrasse.

Nach dem üblichen Zebu-Sandwich mit Coka kely fahren Thorsten, Stefan, Björn, Donnat und ich ein, zwei Stunden mit dem Bus zur Bananenplantage vom letzten Jahr. Wir besuchen die Calumma parsoniis, und zu meinem großen Erstaunen finden wir sogar das gleiche alte Männchen, das ich schon letztes Jahr ausführlich fotografiert habe. Zwar ist der alte Kerl deutlich fitter als bei unserer letzten Begegnung, aber inzwischen leidet er unter massiver Maulfäule, die seinen Oberkiefer und die eine Seite seines Nasenfortsatzes vollständig befallen hat. Noch scheint er damit klar zu kommen, und auch wenn er weder der schnellste noch der fortbewegungsfreudigste ist, ist er immernoch eine beeindruckende Erscheinung.

Calumma parsonii parsonii

Calumma parsonii parsonii

Calumma parsonii parsonii

Calumma parsonii parsonii

Calumma parsonii parsonii

Calumma parsonii parsonii

Calumma parsonii parsonii

Calumma parsonii parsonii

Calumma parsonii parsonii

Calumma parsonii parsonii

Calumma parsonii parsonii

Calumma parsonii parsonii

Furcifer bifidus

Furcifer bifidus

Nur ein paar Hütten weiter sitzt ein Furcifer bifidus-Männchen in einem Baum. Inzwischen haben sich einige Dorfbewohner versammelt, und als sie bemerken, dass wir zu klein und ungeschickt sind, das Tier mit den langen Nasenfortsätzen mittels eines Asts aus dem Baum zu angeln, eilen sie gleich zur Hilfe. In weniger als zehn Minuten sitzt das Chamäleon eine Etage tiefer auf einem Ast, und zeigt sich von seiner besten Seite. Ich freue mich, endlich einmal ein Furcifer bifidus live und in Farbe zu erleben. Erst ist es ein wenig hektisch, aber nachdem ein weiteres Calumma parsonii parsonii (diesmal ein großes Weibchen), wieder außer Sichtweise ist, wird auch das bifidus-Männchen ruhiger. Es schlingt seinen Schwanz um seinen Ast und beäugt die Umstehenden.

Furcifer bifidus

Furcifer bifidus

Furcifer bifidus

Furcifer bifidus

Furcifer bifidus

Furcifer bifidus

Furcifer bifidus

Furcifer bifidus

Furcifer bifidus

Furcifer bifidus

Furcifer bifidus

Furcifer bifidus

Furcifer bifidus

Furcifer bifidus

Furcifer pardalis

Furcifer pardalis

Beschwingt laufe ich den Hügel nach unten und zurück in Richtung der Bananenplantage. Hier gibt es rundherum Pantherchamäleons, und heute passt das Wetter sehr gut. Die Chancen stehen also ganz gut, dass wir das ein oder anderer dieser wunderhübschen rot-weißen Tiere finden. Christian und Rapha beteiligen sich an der Suche, und nach kurzer Zeit haben wir sogar zwei Männchen gefunden. Beide zeigen das typische Rot-Orange der Region mit einem Hang ins Grüne im hinteren Teil des Körpers. Ein richtig knallrotes Männchen mit weißer Bänderung, die es hier auch ab und zu gibt, ist leider nicht dabei. Das wären meine Favoriten gewesen. Eventuell handelt es sich bei der sehr intensiven Färbung aber auch einfach um ältere Tiere, und daher ist das Auffinden passender Pantherchamäleons eher Glückssache. Egal, diese beiden sind auch kleine Schönheiten. Das Tier mit etwas mehr Rot möchte ich beim Zurücksetzen auf die bemoosten Äste der Plantage fotografieren, aber der kleine Kerl macht mir schnell einen Strich durch die Rechnung. Es geht gegen Mittag, ist recht warm geworden und entsprechend aufgeheizt ist das Chamäleon. Flink läuft es davon und verschwindet in den Bäumen.

Furcifer pardalis

Furcifer pardalis

Furcifer pardalis

Furcifer pardalis

Furcifer pardalis

Furcifer pardalis

Unser zweiter Stop ist Voimana, wo ich unbedingt nach Calumma gallus suchen will. Der Weg, an dem entlang wir das Gebüsch mit den Augen durchstreifen, hat sich nicht verändert. Am Eingang eines kleinen Dorfs entdecken wir in einem niedrigen Baum ein Furcifer bifidus-Weibchen.

Furcifer bifidus

Furcifer bifidus

Donnats junger Helfer warnt uns vor den angeblich scharfen Hunden, die sich dann doch als eher ängstliche Streuner herausstellen, die schnell verschwinden, als wir mit unseren dicken Wanderschuhen näher kommen. Das bifidus-Weibchen ist wahnsinnig schnell und wendig – und entsprechend ist es extrem schwierig, auch nur ein einziges gutes Foto des kleinen Wusels zu bekommen. Die Dame hat offensichtlich Angst vor den Hühnern und nicht zuletzt der Katze zu unseren Füßen. Sie drückt sich hinter Äste, dreht und wendet sich und rennt flink stets vor der Kamera davon. Als wir sie einige Meter weiter vor ein dickblättriges Gebüsch halten, wird sie merklich ruhiger und zeigt sich ein wenig mehr von ihrer Schokoladenseite. Der rot getigerte Kater, der uns eben kurz zugeschaut hat, trägt sogar ein Halsband. Bei aller Liebe zu den Samtpfoten befürchte ich allerdings, dass das Halten von Hauskatzen und damit die völlig unkontrollierte Vermehrung dieser Tiere hier noch ein riesiges Problem werden könnte. Bekanntermaßen sind Katzen in den USA für 75% des Artensterbens verantwortlich, und hier auf Madagaskar sind kleine Reptilien und Amphibien genauso willkommenes Futter wie Spatzen und Amseln daheim. Sollten die Dorfbewohner sich in Zukunft mehr Katzen halten bzw. mehr davon als Haustiere versorgen, könnte das das Aus für die kleine Population von Calumma gallus, Furcifer bifidus und etlichen noch selteneren Arten in der Gegend bedeuten. Eine beunruhigende Entwicklung zusätzlich zum Brandroden, Überweidung und illegalem Tropenholzschlag.

Furcifer bifidus

Furcifer bifidus

Furcifer bifidus

Furcifer bifidus

Furcifer bifidus

Furcifer bifidus

Furcifer bifidus

Furcifer bifidus

Furcifer bifidus

Furcifer bifidus

Ich mit Chamäleon

Ich mit Chamäleon

Ein deutlich aufmunternderes Zusammentreffen ist der Fund eines riesigen Calumma parsonii-Weibchens. Das Tier wiegt sicherlich gut über 500 Gramm, ist knallgrün, ihr Bauch ist prall gefüllt mit Eiern und sie ist die Ruhe selbst. Unbeeindruckt sitzt sie auf einem Ast und beäugt die Menschen vor sich. Ich habe noch nie ein so großes Parsons-Weibchen gesehen, und erst Recht nicht auf dem Arm halten können. Eine tolle Erfahrung. Langsam, sehr langsam, und bedächtigt wandert das Tier über den angebotenen Arm – und kneift mir dabei mir ihren riesigen Füßen und Krallen ganz schön in die Haut. Dann bleibt sie sitzen, schaut mich mit ihren Charakteraugen an und wartet anscheinend darauf, einen Ast zurück auf ihren Baum angeboten zu bekommen. Sie muss nicht lange warten. Als Krönung meiner parsonii-Begegnungen entdecken wir schließlich noch ein orange-eye-Baby. Der kleine Kerl ist die Niedlichkeit in Person, und kann besser Modell stehen als die großen. Nur zwei Fotos braucht es, und das perfekte ist dabei.

Calumma parsonii parsonii

Calumma parsonii parsonii

Calumma parsonii parsonii

Calumma parsonii parsonii

Calumma parsonii parsonii

Calumma parsonii parsonii

Calumma parsonii parsonii

Calumma parsonii parsonii

Calumma parsonii parsonii

Calumma parsonii parsonii

Calumma parsonii parsonii

Calumma parsonii parsonii

Calumma parsonii parsonii

Calumma parsonii parsonii

Calumma parsonii parsonii

Calumma parsonii parsonii

Calumma parsonii parsonii

Calumma parsonii parsonii

Calumma parsonii parsonii

Parsons’s-Baby

Calumma gallus

Calumma gallus

Calumma gallus

Calumma gallus

Calumma gallus

Calumma gallus

Calumma gallus

Calumma gallus

Voimana

Vegetation in Voimana

Calumma gallus

Calumma gallus

Das eigentliche Ziel der Fahrt hierher, kleine Calumma gallus, haben wir noch nicht gefunden. Also streifen wir noch eine gute Zeit den Weg entlang und suchen das dichte Gebüsch nach den kleinen, gut getarnten Chamäleons ab. Es ist ist wirklich nicht einfach, sie in der strauchigen, buschigen Vegetation überhaupt auszumachen. Donnat findet ein kleines Chamäleon, aber es stellt sich als Calumma nasuta heraus. Die haben zwar auch einen Nasenfortsatz, aber es ist eben eine andere Art. Das trächtige Weibchen, dass Donnat gefunden hat, hat weiße Flecken auf der Nase und ist kugelrund.

Gerade als ich befürchte, dass es wohl heute nichts mit Calumma gallus wird und wir schon genug Glück mit den anderen Tieren hatten, wackelt ein kleines Chamäleon mit knallroter Nase über ein Blatt. Es ist ein Weibchen von Calumma gallus und eine kleine Schönheit. Sie färbt sich am Körper gelbbraun und lässt sich wenig von den riesigen Menschen um sie herum beeindrucken.  Zwei dazu passende Männchen finden sich schließlich auch noch wenig entfernt – eines der beiden hat eine wahrhaft riesige Nase für seine Körpergröße. Irgendwann muss ich mich von den kleinen Glühnasen verabschieden. Diese Tiere könnte ich stundenlang beobachten, auch wenn sie nur auf einem Ast sitzen und nichts Weltbewegendes tun. Es sind solche hübschen kleinen Naturwunder.

Calumma gallus

Calumma gallus

Calumma gallus

Calumma gallus

Calumma gallus

Calumma gallus

Calumma gallus

Calumma gallus

Calumma gallus

Calumma gallus

Calumma gallus

Calumma gallus

Calumma nasutum

Calumma nasutum

Calumma nasutum

Calumma nasutum

Da Christian sich mit dem Bus etwas verspätet, laufen wir ihm einfach entgegen. Irgendwo am Wegrand wird geräuchert, denn der ganze Pfad ist meterweit von dicken, grauen Rauchschwaden eingehüllt. Ein Grill ist nichts dagegen. Ich kann nicht wirklich erkennen, ob hinter dem dichten Gebüsch Wald abgebrannt oder tatsächlich Essbares zubereitet wird. Denkbar wäre beides.

Auf dem Weg zurück laufen Unmengen Menschen auf und entlang der Straße. In einem größeren Dorf mitten auf unserem Weg, soll heute Markttag sein. Hunderte, ach was, Tausende von Menschen bevölkern die Straßen, tragen Obst und Gemüse, treiben Zebus vor sich her oder gehen einfach neugierig schauen, was in den Nachbardörfern los ist.

Menschenmassen

Menschenmassen

Auf einer Wiese haben sich zwei etwas ungleiche Mannschaften zum Fußballspiel eingefunden, und durch die Menschenmassen auf der Straße gibt es reichlich Zuschauer, die mit Rufen und Pfeifen ihre Leute anfeuern. Immer wieder kämpfen sich große Lkws in Zeitlupe durch die vielen Menschen den grauen Asphalt entlang. Auch unser Bus wird neugierig beäugt. Ich entdecke einen kleinen Jungen mit Melaninmangel (landläufig ein „Albino“) und wundere mich, dass der Junge keinen Sonnenbrand hat. An der Ostküste Madagaskars gibt es auffällig viele Menschen mit dieser Genmutation, aber niemand weiß so genau, warum eigentlich. Immerhin scheinen sie hier (an anderen Orten mag das anders sein, so erzählen einige Madagassen von einem abgeschotteten „Albino-Dorf“ an der Ostküste) weitgehend akzeptiert zu werden, denn der kleine Junge läuft völlig unbehelligt mit den anderen zum Fußballspiel.

Kein Ende in Sicht

Kein Ende in Sicht

Noch mehr Leute

Noch mehr Leute

Auf der Straße

Auf der Straße

Es ist Markttag

Es ist Markttag

Am Wegrand

Am Wegrand

Am Wegrand

Am Wegrand

Kometenfalter

Kometenfalter

Am heutigen Abend versuche ich mein Glück an der Straße nach Andasibe nicht noch einmal, es ist immernoch trocken. Auf dem Hotelgelände gibt es noch ein hübsches Calumma nasutum mit weißen Flecken auf dem Kopf zu sehen und unweit der Hotelterasse haben die Jungs aus der Küche einen großen Kometenfalter gefunden. Laut dem Schmetterling begeisterten Werner handelt es sich um ein gerade erst aus dem Kokon geschlüpftes Tier, das zum Trocken in Kopfhöhe Platz genommen hat. Es ist völlig makellos und wunderschön – und groß! Schnell geht die Sonne unter, das Abendessen ruft und danach steht noch eine Nachtwanderung an. Die ist zwar in den Nationalparks verboten, nicht aber in Nicht-Nationalparks. Im Dunkeln gelangen wir zu einem kleinen Wald – es ist übrigens, wie ich später erfahre, der gleiche, den ich tags darauf im Hellen noch einmal besuche.

Insekt

Insekt

Boophis pyrrhus

Boophis pyrrhus

Boophis viridis

Boophis viridis

Boophis pyrrhus

Boophis pyrrhus

Boophis pyrrhus

Boophis pyrrhus

Uroplatus phantasticus

Uroplatus phantasticus

Boophis madagascariensis

Boophis madagascariensis

Uroplatus phantasticus

Uroplatus phantasticus

Uroplatus phantasticus

Uroplatus phantasticus

Uroplatus phantasticus

Uroplatus phantasticus

Phelsuma lineata

Phelsuma lineata

Phelsuma lineata

Phelsuma lineata

Furcifer wilsii

Furcifer wilsii

Furcifer wilsii

Furcifer wilsii

Boophis viridis

Boophis viridis

Diesmal ist das Glück auf unserer Seite: Eine ganze Menge wunderschöner, bunter und weniger bunter Frösche lassen sich ablichten, und sogar zwei Uroplatus phantasticus erwischen wir bei der Jagd auf einem Ast. Leider hat einer seinen Schwanz verloren, aber statt einem Regenerat wachsen gleich zwei aus dem Stumpf hervor. Ein Furcifer wilsii-Weibchen wackelt aufgeregt im Geäst hin und her – die haben wir wohl im Schlaf gestört. In einem großen Baum entdeckt Nestor ein Calumma parsonii. Erst bei näherem Hinschauen entdecke ich, dass der merkwürdig gefärbte Nasenfortsatz gar keiner mehr ist, sondern nur noch ein vollständig verrotteter Nasenstumpf. Das arme Ding – obwohl es für die Erkrankung noch erstaunlich fit ausschaut. Dieses Jahr treffe ich wirklich viele Tiere mit Maulfäule. An einem dünnen Ast, der mitten in den Pfad baumelt, hängt ein verschlafenes Calumma nasutum, das müde in die Kamera blinzelt, und dann ein paar Zentimeter weiterläuft, um sich hinter ein Blatt zu drehen undweiterzuschlummern.

Boophis viridis

Boophis viridis

Boophis viridis

Schlafend

Boophis viridis

Boophis viridis

Spinnennest

Spinnennest

Calumma parsonii cristifer

Calumma parsonii cristifer

Calumma parsonii cristifer

Calumma parsonii cristifer

Uroplatus phantasticus

Uroplatus phantasticus

Uroplatus phantasticus

Uroplatus phantasticus

Uroplatus phantasticus

Uroplatus phantasticus

Calumma parsonii cristifer

Calumma parsonii cristifer

Calumma parsonii cristifer

Calumma parsonii cristifer

Nestor zeigt mir plötzlich einen großen, davon laufenden Vogel. Zuerst will ich mich leise anschleichen, aber Nestor meint, ich soll mich beeilen und nicht so langsam trödeln. Dann sehe ich auch warum: Die beiden großen Vögel laufen den Weg entlang vor uns weg, und wer schnell läuft, kann zumindest noch einen kurzen Blick auf sie erhaschen. Irgendwann geht es wieder zurück. Ich könnte noch etwas hier bleiben, es gibt soviel zu sehen! Aber gut, das Bett ruft.

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